Thibaud Roth

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Link: »quer–Podcast«

Hurra! Rechtzeitig zur ersten Sendung im neuen Jahr habe ich entdeckt, dass es quer nun auch als Podcast gibt. Es gibt keine Ausrede mehr fürs Nichtschauen …

Mehr Mut zur Freiheit!

Die Chaosradio Express Folge 135 »Mut zur Freiheit« habe ich fast widerwillig nur wenig enthusiastisch heruntergeladen und auf den MP3–Player kopiert, weil ich befürchtete, dass es wieder nur den Antagnosimus zwischen dem Internet und den Politikern verstärkt und altbekannte Argumente hervorbringt. Von den ersten Minuten der Folge an wurde ich überrascht, denn sie ist höchst interessant.

Es geht um Fragen wie: Auf welche Weise und aus welchem Grund hat sich die Gesellschaft (nicht nur die deutsche) so verändert, dass Eingriffe in die Freiheitsrechte von einem Großteil der Bevölkerung nicht mit massivem Protest quittiert werden? Warum ist die allgemeine Angst vor Terror, Krieg, Katastrophen, Krisen und Krankheiten nach dem Ende des kalten Krieges nicht zurückgegangen sondern wird immer größer, obwohl die Lebensbedingungen nachweislich sicherer werden? Von wem oder was ist das Bewusstsein für das Recht auf Freiheit so in den Hintergrund gedrängt worden, dass man Eingriffe in diese nun leichter hinnimmt? Wie kann man diesen Entwicklungen effektiv argumentativ begegnen?

Besonders interessant ist dabei, dass Tim Pritloves zwei Gesprächspartner keine Nerds sind, sondern zwei bekannte Romanautoren: Juli Zeh und Ilija Trojanow. Endlich einmal Stimmen, die nicht aus dem Internet sondern aus dem realen Leben kommen. Natürlich ist das Quatsch, aber für die Öffentlichkeitsarbeit ist das ungemein wichtig, dass auch bekannte Persönlichkeiten sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Außerdem bringen sie neue Ideen und Sichtweisen und vielleicht wirksamere Argumentationstechniken.

Die oben aufgeführten Fragen können zwar nicht abschließend beantwortet werden aber dennoch bringt dieses Gespräch viele neue Aspekte zu Tage und ist auf alle Fälle hörenswert.

quer jetzt auch online

Einmal in der Woche, Donnerstags Abend um 20:15 Uhr, sendet das Bayerische Fernsehen die Sendung quer mit Christoph Süß. quer berichtet über Themen aus Bayern, Deutschland und manchmal auch der ganzen Welt. Wie kaum ein anderer versteht es Christoph Süß und seine Redaktion, genau hinzuhören, bei dem, was die Politiker sagen, kritisch zu überdenken und durchaus humoristisch aufzubereiten. Auch ohne Manipulation ihrer Reden kommen die Politiker dabei oft sehr schlecht weg und das so etwas auf einem öffentlich–rechtlichen Fernsehsender (noch) möglich ist finde ich sehr mutig.

Lange Zeit konnte man nur Ausschnitte der Sendung online anschauen, doch seit einigen Wochen ist es möglich, die gesamte Sendung in der BR–Mediathek zu sehen. Jede Sendung steht zwar nur 7 Tage lang zur Verfügung und die Mediathek selbst ist ein Flashmonstrum ohne Möglichkeit auf direkte Verlinkung, doch ich finde dennoch, dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist. Schon im November 2008 hatte ich angefragt, ob es möglich wäre, einen quer–Podcast anzubieten und erhielt die Auskunft, ein Podcast sei auf längere Sicht geplant, auch wenn die Planungen dazu noch nicht sehr konkret seien. Ich hoffe, die Mediathek ersetzt den echten (!) Podcast nicht und ist nur eine Vorstufe davon. Immerhin, quer kann man auch jetzt schon in voller Länge online sehen.

Vom Fernseher auf den Computer

Warum sehen junge Konsumenten immer weniger über die klassischen Kanäle fern und nutzen stattdessen Videoportale im Internet? Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass 62 Prozent der Befragten die festen Sendezeiten stören. Nur 14 Prozent sind unzufrieden mit den TV-Inhalten. Junge TV–Zuschauer wandern auf Videoplattformen ab – Golem.de

Ein für mich persönlich erfreulicher Trend weg von den Funkwellen, hinein in die Welt des IP–basierten Fernsehkonsums, doch ganz so zufrieden bin ich nicht.

Es gibt nur wenige Gründe über die deutsche Fernsehlandschaft stolz zu sein, doch es gibt durchaus noch Sendungen, bei denen die Einschaltquoten zumindest nicht der einzige Grund sind die Sendung zu produzieren und die sehe ich auch durchaus gerne. Hier kommen die festen Sendenzeiten ins Spiel: Durch die nur fürs Internet produzierten Podcasts (die keine Zweitverwertung von OnAir–Inhalten sind) bin ich mehr und mehr an den Luxus gewöhnt, nicht mehr zu einer bestimmten Uhrzeit, die mir ein Fernsehmacher vorschreibt, vor der Kiste sitzen zu müssen. Diese Podcasts kann man alle bequem abbonieren und anhören wann, wo und wie man will. Deshalb bin ich froh, dass sich mehr und mehr Sender (gezwungenermaßen) dazu entscheiden ihre Inhalte im Internet kostenlos zur Verfügung zu stellen. Ich habe diese Zweitverwertungspodcasts aber eben klar von den fürs Internet produzierten Podcasts differenziert, denn hier kommen wir zu der Feinheit, die bedeutet, dass diese Studie, doch nicht so genau auf meinen Medienkonsum zutrifft: Es heißt, die Konsumenten wandern auf Videoportale ab. Ein Videoportal ist kein Podcast. Gerrit beschreibt das für die ZDF–Mediathek:

Das ZDF hingegen hat ja mit der neuesten Inkarnation seiner Mediathek eher auf das YouTube-Featureset geschielt. Online angucken: ja, Download oder RSS-Abo: nein. Es wurde leider darauf verzichtet, sämtliche Inhalte auch als Podcast zur Verfügung zu stellen; praegnanz.de: Ist Podcasting noch zu retten?

Es gibt einige Sender, die bieten auch einen echten Podcast (mit Abo, denn das ist keine Selbstverständlichkeit wenn man von Podcasts spricht) an und diese abboniere ich auch gerne. In diese Richtung sollte es gehen: Podcasts statt Videoportale.