Thibaud Roth

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Weblog

»Natürlich beeinflusst Überwachung Verhalten – ganz massiv sogar«

Wer auf den Event–Seiten des Chaos Computer Clubs stöbert, stößt auf interessante Themen und Vortragende mit einer erstaunlich großen Bandbreite. Dem CCC ist es hoch anzurechnen, viele der von ihm organisierten Vorträge aufzuzeichnen und frei ins Netz zu stellen. So stieß ich kürzlich auf den Vortrag mit dem unscheinbaren Titel »Bloggen gegen Überwachung«.

Dieser Titel täuscht, denn es handelt sich dabei nicht um Markus Beckedahl, der erklärt, wie man mit Blogs die Einführung von Überwachungsgesetzen verhindern kann (und das ist nicht abwertend). Es spricht Anne Roth, bekannt als annalist und als Freundin von Andrej Holm, der im Juli 2007 als Terrorist festgenommen wurde, über den Alltag unter Überwachung. Die Geschichten, die sie erzählt, kann man zwar auch in ihrem Weblog nachlesen, doch sie gehen noch mehr unter die Haut, wenn man eine Betroffene selbst reden hört. Besonders bewegend ist es, wenn sie von ihren Gedanken, ihren Gefühlen und ihren Kindern erzählt.

Es ist extrem selten, dass ein solcher Fall aus der Sicht eines überwachten dokumentiert wird und gerade deshalb ist die Aufklärungsarbeit, die Anne Roth leistet und die, wie sie sagt, anfangs Überwindung gekostet hat, enorm wichtig und verdient Respekt. Wer weiterhin an den heilen Rechtsstaat glauben möchte, dem ist das Video nicht zu empfehlen, alle anderen können es sich entweder im Browser anschauen, direkt herunterladen oder bandbreitenschonend als Torrent herunterladen.

Security by transparency

Das Torprojekt ist ein großartiges Projekt. Nicht nur weil ich die Technik und die Idee, die dahintersteckt faszinierend finde, sondern auch wegen der Art und Weise, wie sie versuchen, durch eine größstmögliche Transparenz die bestmögliche Anonymität für die Nutzer zu erreichen. Tor ist nicht nur ein Projekt, dass still seinen Dienst verrichtet, sondern eben auch ein Studienobjekt.

Ich bin kein Experte, was Tor angeht sondern nur technisch interessierter Nutzer. Trotzdem tut der Leiter des Projekts Roger Dingledine alles dafür, die gerade interessanten Fragen, die oft auch noch unbeantwortet sind, der Öffentlichkeit zu präsentieren. Konkret meine ich die beiden Vorträge Security and anonymity vulnerabilities in Tor (Video–Mitschnitt [MP4]) auf dem Chaos Communication Congress 2008 und Why Tor is slow (Video–Mitschnitt [MP4]) auf der Hacking at Random 2009. Darin stellt er beide Probleme sehr offen dar und gibt an vielen Stellen offen zu, dass es hier noch Lücken gibt, die noch nicht endgültig gestopft sind oder für die es manchmal noch überhaupt keinen Lösungsansatz gibt. Außerdem gibt es sich Mühe, dass auch Außenstehende das Problem verstehen können.

Durch dieses Prinzip der security by transparency legen die Tor-Verantwortlichen zwar alle bekannten Attacken auf Tor offen und schaffen beim Nutzer vielleicht ein Gefühl der unzureichenden Anonymität (»Do not rely on it for strong anonymity«), doch meiner Meinung nach ist der Gegenteil der Fall. Es gibt nicht umsonst so viele akademische Arbeiten und Projekte, die sich mit Tor befassen und in vielen Punkten das Projekt durch Impulse von außen vorangebracht haben. Roger Dingledine ruft ständig dazu auf, seine Ideen einzubringen und so zur Verbesserung von Tor beizutragen. So vermittelt man ein wirkliches Gefühl von Sicherheit, denn so weiß man, wie ernst es den Tor-Machern wirklich ist, und ich würde mir diese Offenheit auch bei anderen Projekten wünschen.